Ich wollte nur eine Geschichte ... und bekam viel mehr.
Schon lange hatte ich mir vorgenommen, einmal mit einem aktuellen Jugendlichen der John Kaheni Residence zu plaudern.
Bei Cargo Human Care hatten wir begonnen, Geschichten von ehemaligen Jugendlichen zu erzählen, die nach ihrer Zeit im Ausbildungsprogramm ihren Weg gemacht und Karriere gemacht haben. Das Thema kommt gut an – auch in den sozialen Medien. Die Informationen für diese Steckbriefe bekomme ich von unserem Betreuerteam.
Aber irgendwann fragte ich mich: Warum eigentlich immer nur Erfolgsgeschichten? Warum nicht auch einmal die Träume, Wünsche und Ängste der Jugendlichen, die gerade mitten in diesem Programm stecken? Was bewegt sie? Wie blicken sie in ihre Zukunft? Ich wollte einfach einmal eine andere Perspektive kennenlernen.
Also nahm ich Kontakt mit dem Leiter der John Kaheni Residence auf. Er sollte mir jemanden nennen, der bereit wäre, sich mit mir zu unterhalten und meine vielen Fragen zu beantworten. Er selbst würde während meines Besuchs zwar nicht da sein – aber das spielte überhaupt keine Rolle.
Kurze Zeit später bekam ich die Telefonnummer eines jungen Mannes: Brian.
Zu unserem Termin erschien ein sympathischer junger Mann, der vermutlich genauso aufgeregt war wie ich. Ich hatte so etwas schließlich noch nie gemacht – und Brian wusste überhaupt nicht, was ihn erwarten würde. Er dachte, ich käme mit einem Team und würde ein Interview führen, so wie man das aus dem Fernsehen kennt.
Ich musste lachen und erklärte ihm, dass ich genau das nicht wollte.
Ich wollte kein klassisches Interview. Ich wollte ein echtes Gespräch. Ich wollte wissen, was ihn bewegt, welche Wünsche er hat und welche Gedanken ihn beschäftigen. Ganz ohne festen Fragenkatalog. Ich hoffte einfach, dass sich die Fragen während unseres Gesprächs entwickeln würden.
Und genau so kam es.
Wir unterhielten uns stundenlang. Zwischendurch gingen wir in den Garten, um ein paar Fotos zu machen. Später saßen wir auf der kleinen Terrasse vor der Küche und erzählten uns immer mehr – auch sehr Persönliches.
Brian sprach offen über seine Kindheit, über Schicksalsschläge, die ihn bis heute begleiten, über seine Therapie, seinen Berufswunsch und seine Hoffnungen für die Zukunft. Und weil er sich mir gegenüber so öffnete, erzählte auch ich von mir.
Am Ende haben wir beide geweint.
Und wisst ihr was? Das war völlig okay.
So hatte ich mir dieses Treffen überhaupt nicht vorgestellt. Aber genau deshalb war es so besonders.
Brians Geschichte habe ich anschließend zusammen mit den Bildern auf der Webseite von Cargo Human Care veröffentlicht. Wenn ihr sie lesen möchtet, klickt einfach auf den Link.
Aber es kam noch etwas hinzu:
Brian war nämlich gar nicht meine erste Begegnung an diesem Tag.
Ich war etwas zu früh an der John Kaheni Residence angekommen und stand noch im Garten, als von oben laute Musik zu hören war. Irgendwie klang das nach guter Stimmung. Also dachte ich mir: Schau doch einfach mal nach.
Oben angekommen bot sich mir ein herrliches Bild. Alle Bewohner waren am Putzen. Wirklich alle.
Möbel standen kreuz und quer herum, überall wurde gewischt, geschrubbt und gelacht. Natürlich musste ich mehr erfahren, was hier los war.
Eine junge Frau war erst im Januar von Mothers‘ Mercy Home in die John Kaheni Residence gezogen. Ich erinnerte mich an sie und sprach sie an.
Sie erzählte mir, dass sie eine leitende Rolle unter den Studierenden übernommen hatte. Außerdem leidet sie unter einer Allergie und war deshalb der Meinung, dass es Zeit für eine Putzaktion sei. Wände abwaschen, Schränke ausräumen, alles einmal gründlich reinigen.
Anfangs waren wohl nicht alle begeistert.
„Warum sollen wir eigentlich den ganzen Dreck der Studenten wegmachen, die vor uns hier gewohnt haben?“, hatten einige gefragt.
Aber sie blieb hartnäckig. Und hat am Ende alle überzeugt.
Und jetzt putzten tatsächlich alle gemeinsam.
Allein das fand ich schon ziemlich beeindruckend.
Dann erzählte ich ihr, dass ich sie noch aus dem Mothers‘ Mercy Home kennen würde.
Sie schaute mich an, lächelte und sagte, dass sie sich ebenfalls an meine Besuche erinnern könne.
Und so kam es, dass ich völlig unerwartet einen zweiten Interviewpartner bekam. Ich erklärte ihr, was ich mir so vorstellen würde, und sie willigte ein.
Die Jugendlichen bereiteten dann gemeinsam ein Mittagessen zu und es wurde erst mal gegessen.
Danach saßen Margaret und ich im Garten.
Unser Gespräch entwickelte sich ganz ähnlich wie das mit Brian, lange, persönlich und intensiv,
Gut, dass ich keine Wimperntusche benutze … ich hätte sie an diesem Tag garantiert verschmiert.
Auch Margarets Geschichte ist inzwischen auf der Homepage von Cargo Human Care veröffentlicht. Schaut gerne einmal rein.
Zum Abschluss machten die Jugendlichen noch Gruppenfotos für mich.
Eigentlich war ich gekommen, um eine Geschichte zu hören.
Am Ende fuhr ich mit zwei Interviews, unzähligen Eindrücken und einem Herzen voller Dankbarkeit nach Hause.
Manche Geschichten muss man eben persönlich hören.




















